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Der 11. Deutsche Orgeltag am 12.09.2021

mit Martin Hütterott im Kirchenkreis Sonneberg — Epilog

Zum Jahr der Orgel in 2021 erklangen dieses Mal neun Königinnen der Instrumente im Kirchenkreis Sonneberg. Allesamt wurden sie bespielt von unserem Kreiskantor Martin Hütterott. Die Herausforderungen an den verschiedenen Instrumenten sind immer wieder spannend und es ist nicht so leicht, für die „in die Jahre gekommenen Damen“ Musikstücke zu finden, die nur ihre Stärken glanzvoll herausstellen. Nichts desto trotz lassen sich bei einigen Orgeln das Ächzen und Stöhnen im Gebläse oder etwa das asthmatische Pfeifen der Obertöne, klappernde Fußpedale und hängende Tasten nicht ignorieren. Auch unsere Königinnen wollen im Alter mit Liebe gepflegt werden. Pflegeversicherungen hierfür gibt es leider nicht, dafür aber Orgeltage, Orgelpluspunkte und Orgelfahrten. Hier und dort dürfen sich die Orgelliebhaber dann als großzügige Spender erweisen.
Unsere diesjährige Orgelfahrt begann in dem idyllisch gelegenen Dörfchen Lichtenhain. Während andere Ortschaften ringsum im Nebel versanken, erhob sich die strahlende Sonne über dem barocken Kirchlein. Im Innenraum reichlich mit Engeln ausgeziert und einem wohlklingenden Örgelchen auf der Empore, faszinierte sie so manchen Besucher. Die Orgelfahrtgesellschaft fand dort eine überaus freundliche Aufnahme von dieser Gemeinde. Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir über Schleichwege zur Matthäuskirche Spechtsbrunn. Ebenfalls im barocken farbenprächtigen Stil die Innenraumgestaltung. Auf der Sauer-Orgel erklangen Werke wie Plein jeu in d von Nicolas de Grigny oder Stück für eine Flötenuhr in C von C. P. E. Bach.
In der wohnlichen Holzkirche zu Neuhaus am Rennweg erklang die 1974 eingebaute Böhm-Orgel mit 13 Registern.
Unsere Reise setzte sich nach Scheibe-Alsbach über den Rennsteig fort. Die wunderschöne Lage dieser Kirche auf einer kleinen Anhöhe, lichtdurchflutet und hell, lädt bestimmt viele Besucher ein? Heute lagen die Scheibe-Alsbacher um 12 Uhr wohl noch ihn ihren Betten und schliefen ihre Kirchweih aus. Orgelkonzert hat ja eigentlich auch was mit Kirche zu tun?!
Ein versierter Einheimischer lotste uns dann über Weg und Steg, sodass die Orgelfahrenden keinen Baustellenumgehungen ausgesetzt waren. Wohlbehalten eroberten wir die Steinacher St. Peter und Paul-Kirche mit ihrer berauschenden, schon etwas in die Jahre gekommenen Sauer-Orgel. Wir danken an dieser Stelle nochmals dem geduldigen Publikum, das etwas warten musste, wegen der falschen Spielbücher, die alle grün sind!
Nach einem erholsamen Sonnenbad auf Judenbachs Höhen folgten wir dem Ruf in die Judenbacher Nikolaus-Kirche. In ihr finden wir eine in 2004 restaurierte Orgel mit
spätbarockem Prospekt aus dem Jahre 1729. Werke von J. S. Bach entfalten hier einen besonderen Klang.
Gestärkt vom langanhaltenden Applaus sausten wir hinab ins Heinersdorfer St. Nikolauskirchlein. Einst gehörte sie zu Bistum Bamberg. 1915 erhielt die Kirche eine neue Orgel, die auf der Empore über dem Altar untergebracht ist. Farbenprächtige Deckengemälde strahlen dort in schmuckem Glanz. Im Zentrum der Orgelvorträge leuchtete dazu das Choralvorspiel von J.Brahms “Schmücke dich, o liebe Seele“.
Inzwischen hatte sich der Kern einer treuen Orgelfahrtgemeinde gebildet, der uns auch noch zu den letzten Stationen begleiten sollte. Es macht viel Freude und wird schließlich ein Werk der Gemeinschaft.
In der neuromantischen Saalkirche St. Michaelis in Köppelsdorf wartete ebenfalls eine Sauer-Orgel auf ihr Königinnenspiel. Das Ausgangsstück „Sortie“ von C. Franck brachte dann doch den Emporenboden der Kirche bedenklich zum Beben.
Um 18.00 Uhr und im Zeitplan dann das Abschlußkonzert mit Andacht und Gebet an der heimischen Kreutzbach-Sauer-Orgel in der Stadtkirche Sonneberg.
Mit Dankbarkeit schauen wir auf den Tag zurück und sagen mit J. S. Bach: “Soli Deo Gloria!“