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Presseartikel

Rezension zum Sinfoniekonzert


Wenn der Taktstock führt


Beim Sinfoniekonzert des erweiterten Sonneberger Kammerorchesters unter der Leitung von Kreiskantor und Kapellmeister Martin Hütterott am 17.10.21 in der Stadtkirche Sonneberg erklangen bedeutende Werke der Musikgeschichte, ja vielleicht die weltweit bekannteste Sinfonie überhaupt: die „Fünfte“ (von Ludwig van Beethoven, 1770-1827) neben der Ballettsuite „Appalachian Spring“ des amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900-1990). Während die Spatzen das „ta-ta-ta-taaaaa“ über den ganzen Globus von den Dächern pfeifen, hat die Kirchengemeinde Sonneberg wieder einmal gezeigt, dass auch neuere Orchestermusik des 20.Jahrhunderts unmittelbar erfahrbar ist und die Zuhörer in Erstaunen versetzt. Die Lebensdaten Beethovens, der ja im 250.Geburtsjahr 2020, nun pandemiebedingt 2021, mit diesem Konzert gewürdigt wurde, sollte man sich allerdings merken: er ist der Stammvater der großen Sinfonie, dessen Weg vom gleichsam bedeutenden Genie Joseph Haydn geebnet wurde. Aber die Sinfonien Beethovens, allen voran die Fünfte, sind von einer derartig packenden Gewalt, der sich niemand entziehen kann. Dieses Werk in einer Kirche zu erleben, noch dazu mit einer mitschwingenden Akustik in der Stadtkirche Sonneberg, hat schon einen Wert an sich, der kaum eines Kommentars bedarf. Setzt man in der Abfolge des Programms ein Werk wie „Appalachian Spring“ hintenan, welches mit in den Himmel weisenden finalen Glockentönen als einem Dankesgruß an den lieben Gott abschließt, so hat man mit tragischen Schicksalsschlägen, weit ausschweifenden Cellocantilenen, im Dunkel suchend-tastendem, sich das Licht erkämpfendem Streben, schließlich in tänzerischen Rhythmen zur Shaker-Melody und zum abschließendem Gebet, das mit dem Glöckchen gen Himmel anstelle des „Amen“ endet, eine starke Ausdrucksbandbreite durchmessen.
Das Orchester bot eine wahre Sternstunde in Dynamik, Präzision und Ausdrucksvielfalt. Ist dies der Auftakt zu weiteren orchestralen Großprojekten in der Sonneberger Stadtkirche? Man darf gespannt sein, wohin der Weg in einer Zeit führt, in der es Konzerte mit stark besetzten Chören momentan schwer haben.